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<title>Analogismus</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Analogismus</span></h1>
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<p>Der <b>Analogismus</b> oder <b>Analogieschluss</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">griechisch</a></span> <span lang="grc-Grek" class="Grek" style="font-style:normal">ἀναλογισμός</span> <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261937631">
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</style><span class="Latn" lang="grc-Latn" style="font-weight:normal;font-style:italic">analogismós</span>) ist eine <a href="Schlussfolgerung" title="Schlussfolgerung">Schlussfolgerung</a> aufgrund der <a href="Analogie_(Philosophie)" title="Analogie (Philosophie)">Analogie</a> zwischen zwei <a href="Gegenstand" title="Gegenstand">Objekten</a> nach dem Muster:
</p><p><b>A </b> <i>hat <a href="%C3%84hnlichkeit_(Philosophie)" title="Ähnlichkeit (Philosophie)">Ähnlichkeit</a> mit</i> <b>B</b>. <b>B</b> <i>hat die <a href="Eigenschaft" title="Eigenschaft">Eigenschaft</a></i> <b>C</b>. <i>Also hat auch</i> <b>A</b> <i>die Eigenschaft</i> <b>C</b>.
</p><p><i>Objekte</i> können dabei <a href="Lebewesen" title="Lebewesen">Wesen</a>, <a href="Gegenstand" title="Gegenstand">Dinge</a> oder <a href="Ph%C3%A4nomen" title="Phänomen">Phänomene</a> sein, die <i>Ähnlichkeit</i> kann in anderen Eigenschaften, <a href="Symptom" title="Symptom">Symptomen</a>, Strukturen, <a href="Relation_(Philosophie)" title="Relation (Philosophie)">Relationen</a> und <a href="Funktion_(Objekt)" title="Funktion (Objekt)">Funktionen</a> bestehen.
</p><p>Dieses Schlussverfahren wird auch bezeichnet als <i>Schluss per analogiam</i> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a></span> <span lang="la-Latn" style="font-style:italic">ratiocinatio per analogiam</span>). Dem Analogieschluss wird häufig <a href="Beweiskraft" class="mw-redirect" title="Beweiskraft">Beweiskraft</a> zugebilligt (die jedoch bestenfalls nur bedingt gegeben ist) und er wird dann als Analogiebeweis bezeichnet.
</p><p>Zwei grundlegende Arten von Analogieschlüssen ergeben sich aus der Unterscheidung zwischen struktureller und funktioneller Analogie.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Antike_bis_zur_Scholastik">Antike bis zur Scholastik</h3></div>
<p>Der Analogismus war als <i><a href="Paradigma" title="Paradigma">paradeigma</a></i> schon bei <a href="Aristoteles" title="Aristoteles">Aristoteles</a> zu finden (in: erste Analytik). <a href="Theophrastos_von_Eresos" title="Theophrastos von Eresos">Theophrast</a> bezeichnete dieses Schlussverfahren als Schluss aus hypothetischen Prämissen. Die <a href="Epikureer" title="Epikureer">Epikureer</a> betrachten dies Verfahren (<i>o kata ten omoioteta tropos</i>) als Mittel von den Erscheinungen zum Unbekannten. Bei <a href="Boethius" title="Boethius">Boethius</a> wird dieser Schluss als <i>exemplum</i> bezeichnet. In den theologischen Lehren der <a href="Scholastik" title="Scholastik">Scholastik</a> erlangt das Verfahren aus theologischen Bedürfnissen eine besondere Wertung, vor allem in Hinblick auf positive Aussagen über die göttliche Vorstellung nach der so-genannten <a href="Analogia_entis" title="Analogia entis">Analogie des Seins</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Analogieschlüsse_nach_der_Scholastik"><span id="Analogieschl.C3.BCsse_nach_der_Scholastik"></span>Analogieschlüsse nach der Scholastik</h3></div>
<p>Während <a href="David_Hume" title="David Hume">David Hume</a> die Analogieschlüsse zu den Wahrscheinlichkeitsschlüssen rechnet, ordnet sie <a href="Wilhelm_Wundt" title="Wilhelm Wundt">Wilhelm Wundt</a> zu den <a href="Subsumtion" title="Subsumtion">Subsumtionsschlüssen</a> (in: Logik I).
</p><p>Ansätze zu einer Verwendung der Analogieschlüsse in die allgemeine Methodologie der Naturwissenschaften finden sich erst bei <a href="Francis_Bacon" title="Francis Bacon">Francis Bacon</a> und in entwickelter Form bei <a href="John_Stuart_Mill" title="John Stuart Mill">John Stuart Mill</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Theorie">Theorie</h2></div>
<p>Der Analogismus ist streng genommen kein Beweis – er besteht im Schluss auf die ungewissen Teile eines nicht vollständig bekannten Systems aus der Kenntnis eines ähnlichen, aber vollständig bekannten. Er ist daher vor allem ein Instrument zur <a href="Hypothese" title="Hypothese">Hypothesen</a>­bildung und hat „nur heuristischen Wert“.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der Analogieschluss kann nur dann ein Beweis sein, wenn die beiden Systeme, also das abbildende und das abgebildete System, einander <a href="Isomorphismus" title="Isomorphismus">isomorph</a> sind, zumindest in dem entsprechenden Teilbereich, für den der Beweis geführt wird, und solange die entsprechenden Transformationsregeln beachtet werden.
</p><p>Analogieschlüsse haben sich als außerordentlich fruchtbar erwiesen und wichtige Teilerkenntnisse erbracht, bis die Erkenntnis der Quantisierung der Energie und der Bahnen im Falle der atomaren Strukturen den wesentlichen Unterschied zwischen den Verhältnissen eines Sonnensystems und der Atomstruktur einsichtig werden ließ. Dieses Beispiel zeigt zugleich die Problematik des Analogismus: es ist ein <i>Schluss der Wahrscheinlichkeit</i>. Im Grenzfalle, geht die Analogie in Isomorphie über, lässt sich die Analogie, die zunächst partiell gewonnen wird, d.&nbsp;h. von der Übereinstimmung in einigen wesentlichen Eigenschaften, Strukturen u.&nbsp;a. ausgeht, durch Zuordnung entsprechender Elemente <i>totalisieren</i>. Andererseits erweisen sich Analogieschlüsse als <i>falsch</i>, wenn neben aller Ähnlichkeit oder Übereinstimmung ein wesentlicher Unterschied zwischen den in der Analogie gesetzten Erscheinungen nachweisbar ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anwendungsfälle"><span id="Anwendungsf.C3.A4lle"></span>Anwendungsfälle</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schluss_auf_das_fremdpsychische_Bewusstsein">Schluss auf das fremdpsychische Bewusstsein</h3></div>
<p>Ein bekannter Analogieschluss bezieht sich auf das <a href="Bewusstsein" title="Bewusstsein">Bewusstsein</a>:
</p>
<ul><li><i>Ich spüre an mir, was es bedeutet, Bewusstsein zu besitzen.</i></li>
<li><i>Ich nehme Ähnlichkeiten (beispielsweise im Verhalten) wahr zwischen mir und anderen Menschen.</i></li>
<li><i>Alle Menschen sind sich in dieser Hinsicht ähnlich.</i></li>
<li><i>Daraus schließe ich, dass alle Menschen ein Bewusstsein besitzen.</i></li>
<li><i>Weil alle Menschen ein Bewusstsein besitzen wie ich, werden sie dadurch ähnlich empfinden wie ich.</i></li>
<li><i>Daraus folgt: Was mir unangenehm ist, wird auch anderen Menschen unangenehm sein – oder sprichwörtlich formuliert: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu.“</i></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Atommodelle">Atommodelle</h3></div>
<p>Der Analogieschluss ist eine wichtige Form der <i>reduktiven Schlüsse</i> und stellt ein vielfach bedeutsam gewordenes Erkenntnismittel zur Gewinnung wissenschaftlicher Hypothesen dar. Ein historisches Beispiel ist hierfür die Aufstellung der ersten <a href="Atommodell" class="mw-redirect" title="Atommodell">Atommodelle</a> zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die von der Annahme getragen wurden, dass sich die negativ geladenen <a href="Elektron" title="Elektron">Elektronen</a> in Kreis- oder elliptischen Bahnen um den positiv geladenen Atomkern bewegen – jedes Atom also gleichsam als ein mikrokosmisches Sonnensystem betrachtet werden kann. Diese Annahme beruhte auf Analogieschlüssen der Tatsachen, dass das <a href="Coulombsches_Gesetz" title="Coulombsches Gesetz">Coulombsche Gesetz</a>, das die Kraft angibt, die zwei elektrischen Ladungen aufeinander ausüben, strukturell mit dem Newtonschen Gravitationsgesetz, aus dem wiederum die Keplerschen Gesetze der Planetenbahnen folgen, übereinstimmt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Periodensystem">Periodensystem</h3></div>
<p>Ein Beispiel für einen Analogismus ist das <a href="Periodensystem" title="Periodensystem">Periodensystem</a> der Elemente, das auf Analogieschlüssen beruht, aber erst durch die <a href="Quantenphysik" title="Quantenphysik">Quantenphysik</a> als richtig bestätigt wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Analogie_(Philosophie)" title="Analogie (Philosophie)">Analogie (Philosophie)</a></li>
<li><a href="Abduktion" title="Abduktion">Abduktion</a></li>
<li><a href="Beweis_(Logik)" title="Beweis (Logik)">Beweis (Logik)</a></li>
<li><a href="Maschinelles_Lernen" title="Maschinelles Lernen">Maschinelles Lernen</a></li>
<li><a href="Erweiterte_Analogie" title="Erweiterte Analogie">Erweiterte Analogie</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>Paul Bartha:&nbsp;<a rel="nofollow" class="external text" href="https://plato.stanford.edu/entries/reasoning-analogy/"><i>Analogy and Analogical Reasoning.</i></a> In: Edward N. Zalta (Hrsg.): <i><a href="Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy" title="Stanford Encyclopedia of Philosophy">Stanford Encyclopedia of Philosophy</a></i>.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Arnim Regenbogen, Uwe Meyer (Hrsg.): <i>Wörterbuch der Philosophischen Begriffe.</i> Meiner, Hamburg 2005, ISBN 3-7873-1738-4: <i>Analogismus</i></span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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